Einzelhaltung bei Katzen- Mögliche Folgen
9. September 2016
Alle anzeigen


Selten wird ein Thema so kontrovers diskutiert wie die Kastration. Die Verwirrung und Unwissenheit unter Katzenhaltern ist groß und auch viele Tierärzte sind oft nicht auf dem neuesten Stand der Forschung. Welchen Schaden eine fehlende Kastration bei Katzen anrichten kann ist so Manchem nicht bewusst. Leider hält sich weitverbreitet das Ammenmärchen, dass Katzen einmal im Leben geworfen haben müssen bevor sie kastriert werden und zudem ihren Trieben einmal nachgehen dürfen, schließlich wäre das doch natürlich.

Was manche dabei aber vergessen ist, dass die Rolligkeit und Paarung für Katze und Kater keine romantische Angelegenheit ist sondern auch mit Stress und Schmerzen verbunden ist. Bei der Paarung drückt der Kater die Katze mit seinen Krallen zu Boden, während er ihren Nacken mit seinen Zähnen packt und sie für ca. 10 Sekunden begattet. Sein Penis ist mit Widerhaken ausgestattet, die beim Zurückziehen einen intensiven, krampfartigen Schmerz bei der weiblichen Katze verursachen, welcher der Auslöser für den Eisprung ist. Aufgrund dieses Schmerzes, der die Katze laut aufschreien lässt, wird der Kater nach der Paarung von ihr gekratzt und gebissen.

Leider gibt es immer noch viele Menschen, die sich denken, dass sie doch einmal das „Wunder der Geburt“ und die Aufzucht ihrer Kitten bei ihrer Katze miterleben möchten aber nicht bereit sind die Kosten der Voruntersuchungen zu tragen und bei auftretenden Problemen in der Aufzucht grade zu stehen. Es gibt viel zu viele Dinge über die man sich im Klaren sein sollte bevor man sich entscheidet seine Katze werfen zu lassen unter anderem Blutgruppenunverträglichkeit, Gendefekte, Kittensterblichkeit, Kaiserschnitte und fehlender Milchfluss beim Muttertier. Auch die Weitervermittlung der Kitten spielt eine große Rolle. Heutzutage sind die Tierheime voll von jungen Katzen und für längst nicht alle kann ein gutes Zuhause gefunden werden. Bedenkt man, dass ein einziges Katzenpaar rein theoretisch innerhalb von 5 Jahren ca. 13.000 Nachkommen hervorbringen kann, so leuchtet schnell ein, dass die Kastration ein wirksames Mittel zur Vermeidung von weiterem Katzenleid ist.


Vorteile der Kastration


- Geringeres Bedürfnis zu Streunern

- Geringere Aggression gegenüber Artgenossen

- Stärkere Menschenbezogenheit

- Keine Rolligkeitssymptome

- Keine übelriechende Markierungen bei Katern

- Risiko hormoneller Erkrankungen (Zysten, Gesäugetumore, Gebärmutterentzündungen, Prostatakrebs) wird gesenkt

- Geringeres Risiko von Infektionen (FIV/FeLV) durch Wegfall von Paarungsbissen und Katerkämpfen

- Höhere Lebenserwartung

- Zuwachs ungewollter Katzenkinder, für die man kein Zuhause findet wird gebremst


Wann lasse ich meine Katze kastrieren?


Da sowohl Katze als auch Kater bereits ab dem 4. Lebensmonat geschlechtsreif werden können sollte die Kastration zeitnah geschehen um Rolligkeit, Markieren und unerwünschten Nachwuchs zu vermeiden. Normalerweise findet die Kastration zwischen dem 5. und 12. Lebensmonat statt ist aber bereits auch schon ab der 6. Lebenswoche möglich (Frühkastration). Katzen sollten nicht unkastiert in den Freigang, denn in vielen Fällen merkt man das Einsetzen der Geschlechtsreife erst wenn es zu spät ist (Katze entläuft, ist trächtig). Es gibt viele Tierärzte die nicht vor dem 6.-8. Monat kastrieren und behaupten man müsse die körperliche Entwicklung abwarten, zu einer bestimmten Jahreszeit kastrieren, die Katze müsse mehr Gewicht haben und einmal vorher rollig sein. Diese Behauptung ist veraltet und schlichtweg falsch und man kann davon ausgehen, dass dieser Tierarzt in erster Linie mangelnde OP-Erfahrung hat! Für das Wohl der Katze ist es von Nöten sich einen Tierarzt zu suchen, der auf den Wunsch des Halters eingeht.


Frühkastration


In vielen Ländern bereits schon Jahrzehntelang ohne Probleme praktiziert ist die Frühkastration ein Thema das sich auch in Deutschland immer mehr durchsetzt. Wird die Kastration mit 3-4 Monaten von einem fachkundigen Tierarzt durchgeführt hat sie durchaus viele Vorteile:


1. Die Operation ist einfacher, da Keimdrüsen noch frei liegen und noch nicht von Fettgewebe überlagert sind, dadurch gibt es...

2. weniger Komplikationen/Blutungen

3. Eine kürzere OP-Zeit ermöglicht eine geringere und weniger belastende Narkose

4. Das Tier ist schneller fit

5. Risiko an hormonellen Erkrankungen noch geringer, da die Katze nie rollig war.


Wie läuft eine Kastration ab und was muss ich vor/nach der Kastration beachten?


Der Eingriff ist eine Routineoperation und die Tiere sind meist am selben Tag wieder fit. Wie bei jedem operativen Eingriff mit Narkotisierung sollte die Katze 8-10 Stunden vor dem Eingriff keine Nahrung mehr zu sich nehmen. Oft bringt man die Katze am Vormittag zum Tierarzt und holt sie am späten Nachmittag wieder ab.

Bei der Kastration werden die Geschlechtsorgane komplett entfernt. Beim Kater die Keimdrüsen (beide Hoden) bei der Katze die Eileiter und manchmal auch die Gebärmutter. Die kleinen Schnitte beim Kater beim Eröffnen der Hodensäcke heilen in der Regel von alleine zu, bei Katzen wird der Bauch rasiert und die Wunde nach der OP mit medizinischen Fäden vernäht wobei es Fäden gibt, die sich nach einiger Zeit auflösen und Fäden, die nach ca. 10 Tagen gezogen werden müssen. Es werden 2 Nähte benötigt. Eine für die innere Bauchnaht und eine äußere, die die Oberhaut zusammenhält. Sehr oft kommt es wenige Tage nach der Kastration an dieser äußeren Naht zu kleinen Erhebungen, die aber unbedenklich sind solange sie nicht stark nässen, eitern oder bluten und welche sich nach einiger Zeit zurückbilden.

Nach der Operation sollte man das Tier warm und ruhig halten und erst füttern wenn es sich wieder normal verhält. Viele Tierärzte geben den Tierhaltern Halskrausen und Bodys mit, damit vorallem Katzen nicht an der Naht knabbern und das Infektionsrisiko gesenkt wird aber nicht immer ist dies von Nöten. Wichtig ist auch darauf zu achten, dass Katzen in der ersten Zeit, wenn die Wunde noch nicht verheilt ist, nicht springen. Durch die Spannung kann die Naht eventuell wieder aufreißen. Eine gelegentliche Kontrolle der Wundnaht ist erforderlich (soweit es die Katze zulässt) um den Heilungsprozess zu verfolgen und bei auftretenden Schäden den Tierarzt gleich konsultieren zu können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.